Alte Gärtnerei bietet Zagelsdorfern Neues

Beim christlichen Verein Josua in Zagelsdorf ist ein Hofladen eröffnet worden … Er entstand mit Fördergeld der Europäischen Union. Steffen Lenk wird dort vorerst dreimal wöchentlich Produkte aus Gewächshaus und Garten des Vereins anbieten. Der 47-Jährige gehört zu derzeit fünf alkoholkranken Männern aus dem gesamten Bundesgebiet, die in Zagelsdorf ein Zuhause auf Zeit und Hilfe bei der Rückkehr in ein eigenständiges Leben finden.

Der aus Reichenbach im Vogtland stammende Steffen Lenk kam vor mehr als einem Jahr zu den Josua-Leuten. „Die Ärzte hatten mich schon aufgegeben“, blickt er zurück. Seit er in Zagelsdorf sei, trinke und rauche er nicht mehr. Neben dem christlichen Glauben helfe ihm die Arbeit in Projekten des Vereins beim Neuanfang, sagt er. Hinter einem Verkaufstresen steht der 47-Jährige zum ersten Mal, vorerst ehrenamtlich. Christel Großkopf ist seine erste Kundin. Sie lässt sich einen Salatkopf einpacken. Dann fällt ihr Blick auf die Radieschen. „Die sehen wirklich gut aus. Ich nehme ein Bund“, sagt die Zagelsdorferin. Sie ist nicht die einzige Dorfbewohnerin, die am Eröffnungstag vorbeischaut und gute Wünsche überbringt. Das Missionswerk Josua hatte vor gut zehn Jahren die alte Zagelsdorfer Gärtnerei gekauft und seither Gebäude samt Außenanlagen Stück für Stück saniert. Darunter sind auch vier Gewächshäuser. „Vorher war die Gärtnerei ein Trümmerfeld. Deshalb verdient die geleistete Arbeit Hochachtung“, würdigt Dahmes Amtsdirektor Frank Pätzig (parteilos).

Ursprung der Idee

Einrichtungsleiter Gerd Schubert erzählt, Gemüse aus eigenem Anbau sprieße inzwischen so reichlich, dass Hausbewohner sowie Ferien- und Tagungsgäste nicht mehr alles verbrauchen können. Seit dem vergangenen Jahr bieten die Zagelsdorfer ihre Produkte auf dem Dahmer Wochenmarkt an. „Der Erfolg brachte uns auf die Idee mit dem Hofladen „, so Gerd Schubert. Ausgebaut wurde er im früheren Pferdestall auf einem Bauerngehöft im Dorf, das der Verein unlängst erworben hat.

Geld auch für Werkstatt

In das 40 000 Euro teure Vorhaben flossen 18 000 Euro aus dem EU-Förderprogramm für die integrierte ländliche Entwicklung. Mit rund 26 500 Euro aus diesem Topf wurde zudem die Einrichtung einer Werkstatt für Dienstleistungen im ländlichen Raum unterstützt. Dort werden laut Gerd Schubert vom Verein betreute Männer Instandsetzungsarbeiten ausführen, die für Fachfirmen zu klein seien.

„Für die Dörfer sind solche Einrichtungen ein Gewinn“, sagt Jürgen Tack vom Landesamt für Verbraucherschutz, Flurneuordnung und Landwirtschaft in Brieselang, das die Förderanträge bearbeitet. „Ich werde auf jeden Fall öfter vorbeischauen“, ist sich Christel Großkopf sicher.

Von Carmen Berg (Text + Foto)